Ich war sofort begeistert

Erlebnisbericht: Beat Vogel meistert sein Leben mit Hirnschlag. Er hat das Klettern und Reiten entdeckt und steht heute wieder voll im Leben.


Glücklicherweise wurde ich sofort in die Intensivstation des Inselspitals eingeliefert. Nach einer Woche erfolgte die Verlegung ins Anna-Seiler-Haus. Nun kam eine 3-monatige intensive Physio-, Ergo- und Logotherapie.


Am 21. Januar 2016 wurde ich nach Tschugg verlegt. Weil ich gut auf die Therapien ansprach, konnte ich am 13. April 2016 bereits nach Hause entlassen werden.


Bei meinem Eintritt anfangs April 2016 in den rehapunkt traf ich auf meinen „Kur-Schatten“ Claudia. Gemeinsam hatten wir die Reha im Anna-Seiler-Haus und in Tschugg genossen. Was für eine angenehme Überraschung! Diese Frau erträgt ihr Schicksal mit bewundernswertem Mut. Wir spornten uns gegenseitig an und freuten uns auch über die kleinsten Fortschritte des andern. In der Reha-Gruppe fühlte ich mich sofort wohl und empfand sie als grosse Familie. Der Austausch mit anderen Betroffenen erlebte ich immer als sehr unterstützend und gab mir Mut weiter zu machen. Zudem wurde ich von einfühlsamen Therapeutinnen unterstützt, die mich von Anfang an ernst nahmen und auf meine besonderen Bedürfnisse eingingen.


Am 6. Januar 2017 durfte ich in den rehaclub wechseln, ein Tageszentrum mit vielen Möglichkeiten zu sozialen Kontakten. Ich war gerne Mitglied dieser weiteren Grossfamilie, weil auch hier meine Fortschritte andauerten. Zusätzlich organisierte ich mir nun eine Wasser- und eine Musiktherapie, welche ich jeweils sehr genoss.


Eines Tages sprach mich Frau Hartje, meine Physiotherapeutin, wegen des Kaufes eines Dreirades an. Gemeinsam besuchten wir ein Fachgeschäft. Ich war sofort begeistert und durfte das neue „Vehikel“ sogar eine Woche lang ausprobieren. Ich stellte auch fest, dass ich beim Dreiradfahren mein linkes Bein besser beachtete und wahrnahm, was bis jetzt wegen meines Neglects gar nicht möglich war. Es kam aber noch besser: Man ermunterte mich, bei Frau Müller im O-Block (Bolderhalle in Ostermundigen) einen Schnupper-Kletterkurs zu besuchen. Am vereinbarten Tag brachen meine Tochter Priska und ich Richtung Kletterhalle auf. Dort angelangt, wurde mir gleich ein „Gstältli“ angepasst. Nach der Gruppeneinteilung gings flugs auf den Parcours.


Im Sommer 2017 brachte mich meine Physiotherapeutin, Frau Hartje, aufs Pferd (besser als auf den Hund). Sie beobachtete an anderen Patienten, dass diese nach der Reittherapie viel entspannter waren! Weil mir das Reiten während meiner Kanada-Aufenthalte sehr gefallen hatte, wurde ich zum zweiten Mal hellhörig. So suchte ich einen Therapieplatz und fand diesen auch in Gysenstein.

Dank der Kombination von Ergo-, Musik- und Hypotherapie kann ich die Finger meiner linken Hand wieder besser bewegen und gezielter einsetzen. Das kommt mir auch beim Kochen zugute. («Für mini Beiz- dini Beiz längds aber no nid…»).




Am 31. Oktober 2018 ging mein Dabeisein im rehaclub wegen der Altersbeschränkung von 65 Jahren leider zu Ende.


Dank dem Einsatz des Reha-Teams durfte ich am 3. September 2018 noch einen „Refresher“ im rehapunkt absolvieren. Hier wurde der Fokus, neben dem Körpertraining, nochmals auf meinen Alltag gelegt: Wie kann ich meine Socken selber anziehen? Wie kann ich ein Brot backen? Wie kann ich mich in der Stadt sicher bewegen und den ÖV benützen? Diese Unterstützung tut immer wieder gut.


An dieser Stelle möchte ich dem Team vom rehapunkt und rehaclub meinen ganz herzlichen Dank aussprechen. Dafür, dass meine Anliegen stets auf offene Ohren gestossen sind und die Teams versucht haben, das Gehörte/Gewünschte möglichst auch umzusetzen. Ich habe mich immer ernst genommen und sehr gut begleitet gefühlt.


Ein riesiges „Dankeschön“ geht auch an das Laufwerk-Team für die stets aufmunternde Unterstützung! Die vielen guten Worte haben mich zusätzlich angespornt.


Für die Zukunft wünsche ich der ganzen Reha-Crew alles Gute, eine kernige Gesundheit und ein weiterhin segensreiches Wirken.


Mit herzlichen Grüssen Beat Vogel